Am Sonntag, 24. Januar 1999, hielt Peter Bichsel in der Offenen Kirche Elisabethen in Basel folgende Predigt:
Sehet die Lilien auf dem Felde
Einmal als kleines Kind erhob ich meinen Arm gegen meinen Grossvater. Er war ein echter Grossvater, eine autoritäre Respektsperson in Familie und Gemeinde, ehemaliger Kavallerie-Wachtmeister und von jenen gefürchtet, die ihn als solchen kennengelernt hatten. Wir Enkel aber lernten nur seine Gemütlichkeit kennen.
Einmal aber muss er mit uns geschimpft haben, wir standen im halben Kreis um ihn herum und er schimpfte.
Da erhob ich meinen Arm, angewinkelt, Ellbogen nach vorn. Ich musste diese Bewegung wohl auf der Strasse gesehen haben und sie muss mir gefallen haben, und ich muss mir gedacht haben, dass dies nun die Gelegenheit sei, die Bewegung in die ansonsten einseitige Diskussion einzubringen.
Mein Grossvater schaute mich an, streckte seinen Arm aus, zeigte auf mich und sagte: "Das ist er, der Eggmätteler." Und es wurde still im Haus. Und ich stand in der Stille und war der Eggmätteler. Selbstverständlich befragte ich später meine Mutter, was das denn sei, ein Eggmätteler, aber ich kriegte nur ausweichende Auskünfte: Entfernte Verwandte halt, Bauern auf der Eggmatt, schlechte Bauern, die das Getreide zu spät ernteten, die eine fürchterliche Unordnung um ihren Hof herum hatten - und dies alles, weil sie zu gescheit waren und Bücher lasen - das waren die Eggmätteler.
Der "Eggmätteler" war aber nur einer, und er war die Schande der ganzen, inzwischen weitverzweigten, Familie. Er muss im späten 19. Jahrhundert gelebt haben und persönlich gekannt hatte ihn niemand mehr. Die Angst aber, dass die Schande durch Vererbung zum ewigen Fluch werden könnte, gab es in der Familie immer noch - der Eggmätteler.
Der Grossvater sprach diesen Namen nur dieses eine Mal aus. Und der Name blieb auch nicht an mir hängen. Im Gegenteil, ich wurde zum Lieblingsenkel meines Grossvaters, war oft wochenlang bei ihm in den Ferien, wanderte mit ihm über die Hügel und durch die Wirtschaften. Vielleicht war auch er ein Eggmätteler. Gesprochen wurde davon nicht, ich aber trug den Namen im Herzen - ich war jemand. Und der Grossvater auch.
Nun hätte man recherchieren können, im Gemeindearchiv, im Archiv der Kirchgemeinde. Das tat ich nicht. Ich hielt mich an die Familientradition der geflüsterten Angst. Sie gefiel mir.
Bruchstückweise erfuhr ich die Geschichte später von meiner Mutter, und ich setzte die Bruchstücke zusammen. Wie gesagt, ich hätte später auch recherchieren können. Die Geschichte aber, die ängstlich überlieferte, war mir wichtiger:
Der Eggmätteler also war ein Sohn jener Bauern, die Bücher hatten und Bücher lasen, und die ab und zu vergessen, ihre Äcker zu bestellen, weil sie andere Welten und Werte im Kopf hatten. Und dieser eine Sohn muss besonders gescheit gewesen sein. Er hatte als Jüngling die Kirche der ansehnlichen Emmentaler Gemeinde ausgemalt und man staunte über seine Fähigkeiten und über die Pracht seiner Bilder. So beschloss man dann, dass ein solch Genialer zu studieren hätte. Man legte Geld zusammen und ermöglichte ihm das Studium in Bern. Ob er das Theologiestudium freiwillig gewählt hatte oder ob man ihm es aufgedrängt hatte, weil er etwas Rechtes und etwas Anständiges studieren sollte - das weiss ich nicht. Sicher ist, dass er sich hinter die Bücher setzte und das ganze Wissen der Welt in sich hineinsog. Und so kam er dann später als Pfarrer in jene Kirche zurück, die er als Jüngling ausgemalt hatte. Hier blieb er nicht lange. Er hielt am Sonntag eine Predigt, die den Bauern und Bürgern missfallen hatte. Am Sonntag darauf gingen sie mit Stecken und Knütteln bewaffnet zur Kirche, holten den Eggmätteler von der Kanzel herunter, verprügelten ihn mitten in der Kirche, und prügelten ihn aus der Kirche hinaus - die er niemals mehr betrat.
Vielleicht aber war der Eggmätteler wirklich fromm.
Ich jedenfalls wurde es als Kind, unabhängig von meinen Eltern und ohne ihr Zutun. Es war ihnen auch nicht recht, denn ihnen genügte die Anständigkeit, und Bekenntnis ist unanständig und stört.
So hatte ich darin als Kind meinen Eggmätteler im Herzen und unzählige Bibelstellen im Kopf. Und ich malte mir aus, was der Eggmatt-Pfarrer den Bürgern und Bauern und ihren behäbigen und stillen Frauen wohl gepredigt hatte.
Ich hatte die Bibel mit den Augen des Eggmättelers gelesen, und ich fand in diesem Buch mehr und mehr kaum einen Satz, für den er nicht hätte verprügelt werden können. Und weil ich mir gefiel in der Unanständigkeit des Eggmättelers wurde dieses Buch für mich zum Buch gegen den gutbürgerlichen nstand, und Christ-sein zu einer Behauptung einer trotzigen Minderheit.
Und ich war damit selbstverständlich im Unrecht, denn das Recht wird durch die Mehrheit definiert, und das Christentum hatte scho längst - als Staatsreligion des Römischen Reiches - eine sichere und absolute Mehrheit gefunden. Und wären nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches nicht vereinzelte Römer nach Irland geflohen und hätten da über Jahrzehnte und Jahrhunderte ihre Staatsreligion weiter gepflegt - das Christentum wäre wohl nie zu uns gekommen. Irische Mönche haben es uns gebracht.
Und es muss auch Gründe gegeben haben, dass die römischen Machthaber am Christentum Gefallen fanden. Frömmigkeit, so nehme ich an, kann es nicht gewesen sein - sicher viel mehr eine gemeinsame Religion, die Ordnung schuf. Was für eine Ordnung? Die Ordnung, dass alles so bleibt, wie es ist.
Dass es so bleibt, dass die Welt keine gerechte ist, sondern eine, die genauso von Gott gewollt war - und so wurde Reichtum und Armut Gott wohlgefällig. Die Heilslehre, die Lehre von der Erlösung und vom Eingehen in das ewige Leben und von der ausgleichenden Gerechtigkeit im Himmel - wurde zum Machtinstrument der Bürgerlichen Anständigkeit. Keiner hatte sich davor zu fürchten, reich zu sein. Keiner hatte sich davor zu fürchten, Kavallerie-Wachtmeister zu sein. Der Anstand der Gesellschaft wurde zur Religion. Nun war die Armee göttlich, nun waren die Steuergesetze göttlich, nun war der Staat göttlich. Die Wege Gottes waren nicht einsehbar und so auch sein Wille nicht - aber so wie es war, so wollte er es. Die Gerechtigkeit war verschoben auf die Zeit nach diesem Leben.
Es mag immer wieder Menschen gegeben haben - Arme, Geprügelte, Geschundene und Ausgenutzte -, die sich mit der Zeit danach vertrösteten und sich auf sie freuten. Aber seit es diese Heils- und Gerechtigkeitsversprechungen gibt, hat sich kein Reicher davor gefürchtet und das wohl mit Recht. Kein Richter, kein Henker, kein Offizier hatte sich Gedanken zu machen. Sie lebten in einer gottgewollten Welt, und es fiel ihnen leicht - es fiel uns leicht - gottergeben zu sein.
So waren wir Schweizer auch bis vor Kurzem ohne grosse Zweifel davon überzeugt, dass Gott unser Land vor dem zweiten Weltkrieg geschätzt hat. Die Frage, warum gerade uns, blieb irrelevant. Halt eben uns. Und das war ja nicht Nichts, wir, immerhin wir. Immerhin uns.
Kein Wunder, dass es uns schwer fällt, all das nicht mehr glauben zu können. Kein Wunder, dass jene, die daran zweifelten als unanständig, als gottlos galten.
Man macht aus dem Vaterland einen Gott, und die Patrioten sind dann die Frommen. Und jeder Krieg wird zum heiligen Krieg. Von islamischen Staaten wissen wir das. In unseren sogenannt christlichen Staaten fällt es nicht auf, weil es unausgesprochen selbstverständlich ist.
So muss er also vor jenen auf der Kanzel gestanden haben, der Eggmätteler, vor jenen, denen all das was ist und was immer war, als Anstand galt, auch der Kirchenbesuch. Er predigte vor reichen und weniger reichen Bauern, vor gemütlichen Gewerblern, vor Kavallerie-Wachtmeistern. Und unterjenen, die ihn verprügelten, wird es auch einige mausarme Knechte gehabt haben, die sich auch nichts anderes vorstellen konnten, als dass alles so zu sein hatte, wie es war, nämlich gottgewollt.
Der Zwölfjährige las also die Bibel und fragte sich dabei dauernd, was er ihnen wohl gepredigt hatte, der Eggmätteler. Hat er ihnen aus dem Matthäus-Evangelium gepredigt? "Seht die Vögel unter dem Himmel an sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. ... Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen, sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in all seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen."
Und vielleicht hat er ihnen gesagt: "Ihr seid gemeint, ihr Mehlsäcke, ihr fetten Bauern. Ihr seid nur darauf aus, noch reicher zu werden. Und ihr übervorteilt euren Nachbarn, und ihr seid stolz darauf, dass das alles legal ist und das Gesetz es euch erlaubt. Und die Leute im Dorf ziehen den Hut vor euch, weil ihr mächtig seid, und eure Knechte und Mägde fürchten euch. Und sie wählen Euch in den Gemeinderat, und in den Grossrat. Und ihr seid überzeugt, dass Gott Euch das hoch anrechnen wird, dass ihr reich und mächtig und gefürchtet gewesen seid. Und ihr lebt nicht, ihr macht nur Karriere. Und die Leute halten Euch für gescheit, weil sie glauben, dass die Gescheiten reich werden. Eher wird ein Kamel oder ein Schiffstau durchs Nadelöhr gehen als dass ein Reicher in den Himmel kommt. Warum fürchtet ihr Euch denn nicht? Weil ihrs nicht glaubt. Und wo sind sie, die Lilien auf dem Felde. Nicht auf Euren fetten Wiesen. Und wie kommt ihr darauf zu glauben, dass ihr mehr seid als eure Frauen und Knechte. Und wie kommen eure Knechte dazu, an Euch zu glauben.
Und vielleicht hat er nur gesagt: "Ihr Arschlöcher, ihr Arschlöcher, ihr verdammten Arschlöcher."
Und die Bauern werden sich gedacht haben: "Der kommt noch dran. Der wird unsere Macht zu spüren bekommen. Denn die Knechte und die Alten und die Armen sind auf unserer Seite. Die bestaunen uns, weil wir reich und gescheit sind. Und weil wir dafür sorgen, dass alles so bleibt wie es ist. Unsere Knechte wollen, dass alles so bleibt wie es ist."
Und vielleicht ist dem Eggmätteler jener Satz eingefallen, den Dorothea Sölle hundert Jahre später ausgesprochen hat: "Christ sein bedeutet das Recht, ein anderer zu werden."
Und vielleicht rief er den Knechten in den hinteren Reihen zu: "Ihr habt nicht Knechte zu sein. Das Leben, das ihr führt, hat nicht Gott eingerichtet, sondern Euer Herr, und der hat es nicht für Euch eingerichtet, sondern für sich selbst. Er meint nicht euch, wenn ihr ihm zujubelt, er meint sich selbst.
Ja, die Gesetze geben ihm recht. Deshalb sitzt er im grossen Rat und sagt zu allem Neuen nein. Und ihr Idioten feiert seine Siege und glaubt, dass er gescheit sei, weil er reich ist."
Hat er vielleicht so gepredigt? Vielleicht war er auch betrunken an jenem Sonntag Morgen. Und nicht er hat gepredigt, sondern "es" hat aus ihm gesprochen oder "er".
Was an der mündlichen Überlieferung der Geschichte bestimmt nicht wahr ist, das ist, dass der reiche Bauer am anderen Sonntag einen Stock mitgenommen hat in die Kirche. So sehr wird sich die Welt in den letzten hundert Jahren nicht verändert haben. Seine Knechte warens, die so stolz darauf waren, beim Herrn Grossrat für Gottes Lohn arbeiten zu dürfen. Jene, für die er gepredigt hatte, die Knechte, verprügelten ihn. Und der Herr wird genüsslerisch zugeschaut haben, und hinterher wird er gesagt haben: "Richtig war es ja nicht, aber verständlich schon, ich habe vor dieser Eskalation schon immer gewarnt. Schliesslich leben wir immer noch in der Schweiz, und schliesslich gibt es eine Ordnung." Und die Knechte waren sehr stolz darauf, dass sie ihn verstanden hatten. "Er ist wie wir, und er denkt wie wir, und er sagt das, was wir denken", sagten sie.
Es dauerte lange, Wochen und Monate, bis sich der Eggmätteler wieder im Dorf zeigte, und von da an immer mehr und in immer schlechterem Zustand. Er war zum Vaganten geworden, zum Landstreicher, zum trostlosen Säufer, zu einem jener Vögel unter dem Himmel, die nicht säen, die nicht ernten, die nicht in ihre Scheunen sammeln und die der himmlische Vater ernährt. Ein Vogel, ein schräger Vogel. Nicht schön wie die Lilien auf dem Felde, aber immerhin erfolglos wie sie.
Ob er fromm war, der Eggmätteler - ich weiss es nicht, aber wenn er es war, dann war er an nichts anderem gescheitert als an seiner Frömmigkeit, an seinem Glauben.
Denn Christentum ist kein Erfolgsrezept. Es meint nicht, reich gescheit und gesund zu werden. Es taugt weder gegen Grippe, noch gegen Schlaflosigkeit, weder gegen Alkoholismus, noch gegen Drogensucht. Es ist nur eine Lehre vom Zusammenleben, eine Lehre davon, dass alle dazugehören, niemand ausgegrenzt wird.
Den Römern aber muss die Heilslehre gefallen haben, die verspricht, alles gut zu machen, was wir hier auf der Erde durch Karrieredenken, durch Macht und Erfolg und Reichtum versauen.
"Gebt eure Seele Christus, und ihr seid geheilt" ist das billige Versprechen an die Knechte. Sie haben es immer geglaubt und sie hielten den Kaiser, das Vaterland, die machthabende Partei, den Volkstribunen für göttlich - er wird es schon richten. Wie er das tun wird, danach fragt niemand, er wird einfach - die Heilslehre. Die Welt ist göttlich und wenn wir sie so lassen, wie sie war - damals als sie noch war - dann wird alles gut sein. Die Schweiz ist die Schweiz und damit basta Sie ist gottgewollt - die Heilslehre.
Das Christentum war keineswegs ungeeigneter als der Islam, die konservative Macht der Mächtigen zu stutzen, denn das Christentum bedarf dafür nicht einmal des Fundamentalismus die vage Vorstellung von der Heilslehre genügt. Da muss nur einer kommen, ein neuer Trainer zum Beispiel, und alles wird gut.
Alles wird gut durch CH-Bio-Fleisch, durch irgendwelche Düfte und Steine, durch asiatische Geheimlehren, durch uralte indische Medizin.
Nur das Christentum taugt nichts gegen die Grippe, aber zu einem hat es über Jahrhunderte getaugt. Wir haben uns mit ihm eingeübt in die Heilslehren.
Inzwischen ist uns alles recht, was zum Erfolg führt und selbst fernöstliche religiöse Meditationstechniken haben bei uns nur noch den billigen Zweck, fit zu werden für die billige Karriere.
Die Lehre jenes Jesus von Nazareth war eine Soziallehre. Sie schien in nichts dafür tauglich zu sein, die Macht der Mächtigen zu stützen. Aber die Seligpreisungen der Bergpredigt haben sich gegen jene gewendet, für die sie gedacht waren, gegen die Armen, gegen die Rechtlosen, gegen die Geprügelten.
Oder wie der Berner Dichter Peter Lehner geschrieben hat:
Bergprediger, - hinabgestiegen ins flache Land - Feldprediger.
Die Römer jedenfalls hatten auf die richtige Religion gesetzt. Das Christentum war ein Erfolg, zwar nur ein ökonomischer, aber immerhin, die Reichen marschieren inzwischen in Kolonnen durch die Nadelöhre in den schäbigen Himmel dieser Welt. Kein christlicher Fundamentalismus stört sie dabei. Die Heilslehre ist fundamental genug.
Zurück bleibt ein wunderbarer Sozialphilosoph, Jesus von Nazareth, ein Erfolgloser. Aber immerhin, die Christen haben ihn mitzuschleppen. Ohne die Römer, die nach Irland flüchteten, würden wir ihn nicht kennen. Und vielleicht war er letztlich gar nicht so erfolglos, wir messen Erfolg nur anders.
Und ich stelle mir vor, dass ich ihn getroffen hätte in der dunklen Ecke einer schäbigen Beiz, den besoffenen, verwahrlosten, verkommenen Eggmätteler. Wir hätten zusammen einen Halben Roten getrunken. Vielleicht hätte er eine zerfledderte Bibel aus dem Sack gezogen und besoffen pathetisch aus dem Prediger Salomon gelesen: "Es ist alles ganz eitel, es ist alles ganz eitel. Ich sah an alles Tun, das unter der Sonne geschieht und siehe, es war alles eitel und Haschen nach Wind." Und der Wirt wäre gekommen und hätte ihm wieder mal mit Rausschmiss gedroht. Und er hätte sich zu mir geneigt und geflüstert: "Schau mal die Kellnerin, sie war einmal wunderschön, sie ist es nicht mehr, aber wie weniger sie es ist, je mehr erinnert sie daran. Auch wer sie zum ersten Mal sieht, sieht gleich, dass sie einmal wunderschön gewesen sein muss."
Und dann würde er wieder vor sich hinlallen oder mich beschimpfen oder alle beschimpfen oder lange gar nichts sagen.
Und vielleicht würde er dann seinen Kopf heben und sagen: "Etwas hat er vergessen in seinem Liliengleichniss, der Jesus von Nazareth - oder vielleicht hat es Matthäus vergessen, aufzuschreiben -, nämlich dass die Lilien ihre Schönheit erst im totalen Verblühen entfalten - dann, wenn ihre ersten Blätter fallen und alles nur noch eine Erinnerung an Schönheit ist.
Ja, sagt er, Christentum ist eine Erinnerung an Schönheit, eine Erinnerung an das Schöne, an das Gute, an das Gerechte - immerhin", sagt der Eggmätteler, der mit seinem Gott an dieser Welt gescheitert ist. Für ihn war das Christentum jedenfalls etwas anderes als ein Mittel gegen die Grippe.
Hinweis:
"Nicht Fisch, Nicht Vogel - Neun Schriftsteller und Schriftstellerinnen predigen", Basel 1994, Christoph Merian Verlag Basel. Mit Beiträgen von Birgit Kempker, Tadeus Pfeifer, Martin Roda Becher, Friederike Kretzen, Guido Bachmann, Albert Hofmann, Frank Geerk, Dieter Fringeli, Urs Krattiger Tinga.