Walpurgisnacht

Basler Zeitung 30.04.2001

Von Hexen und himmlischen Kräften

Eine neue Sicht auf die althergebrachte Walpurgisnacht an der Monatswende April/Mai vermittelt heute Abend eine Veranstaltung mit Feuer, Texten, Tanz und Trommeln in der Offenen Kirche Elisabethen

Schon in alten Zeiten erhoffte man sich in der Nacht auf den 1. Mai den endgültigen Umschwung auf die warme, vegetationsreiche Zeit. Doch das war verbunden mit der Abwehr der dunklen Mächte, den Hexen, Teufeln und Dämonen. In spielerischen Bräuchen zeigen sich diese Bedürfnisse auf andere Art auch heute noch, wenn beispielsweise die jungen Leute in vielen Dörfern unserer Region - im Schwarzwald, im Baselbiet und im Aargau - dabei sind, in der Dunkelheit und manchmal auch mit Schabernack die bunt geschmückten Maibäume aufzustellen. Bei den Kelten nannte man das Maifest Beltane - das Feuer des Gottes Bel, und die Germanen verbanden mit diesem Tag die Hochzeit ihrer göttlichen Hoheiten Odin (Wotan) und Frigga (Freyia). Die Göttin trug den Beinamen Walburg.

Rückbesinnung auf Walpurga

Ob die heilige Walpurga, die an einem 1. Mai heilig gesprochen wurde, damit in einem Zusammenhang steht, ist nicht geklärt. In der Rückbesinnung auf diese bedeutende Frau setzen aber die beiden Theologinnen Monika Hungerbühler und Eva Südbeck-Baur an. Sie werden die Geschichte der heiligen Walpurga, die um 710 in England geboren wurde, später nach Deutschland kam und am 25. Februar 779 als Äbtissin des Doppelklosters Heidenheim verstorben und in Eichstätt (Franken) begraben ist, neu aufrollen.

Unzählige Kirchen und Kapellen in Europa und Amerika sind nach ihr benannt. «Uns hat beeindruckt, dass Walpurga nach der Überlieferung Wege gefunden hat, mit den damals noch üblichen <heidnischen> Traditionen tolerant umzugehen. Auch für mich ist es wichtig, wieder christliche Traditionen zu finden, die eine andere Sprache sprechen - die Sprache des Nebeneinanders und Miteinanders. Heilige und Hexen sollen vor allem nicht mehr auseinander dividiert werden», so Eva Südbeck-Baur, die in der Offenen Kirche Elisabethen Frauen- und politische Themen stärkt. Hexe ist auch ein Synonym für Leiden, Folter und Tod.

Kraft für Frauen

Monika Hungerbühler, die auch in der Spitalseelsorge (Bethesda-Spital) tätig ist, sieht hier die Möglichkeit, diese Geschichte neu zu deuten und zu einer Kraft für die Frauen von heute zu verwandeln. Dabei wird im «Ort der Klage» dieser Walpurgisnacht vor allem auch an politisch verfolgte Frauen erinnert. Im Ritual mit Trommeln und einem Tanz ums Feuer dürfen auch Wut und Rache manifest werden, die vom weiblichen Geschlecht meist unterdrückt werden.

Doch diese sollen aus der Ohnmacht, welche die beiden katholischen Theologinnen auch aus eigener Erfahrung kennen, herausfahren und in Lebensbejahung und Lebensfreude einmünden. Renata Gallacchi wird dabei als Bauchtänzerin mit dem «Raqs Sharki» (Tanz der Freude) auftreten. Mit Tanzimprovisationen werden auch die anderen angesprochenen Themen von ihr zusammen mit Hanna Barbara, Vanessa Metzger, Anja Zgorelec, Lisa Rasche, Trix Tobler und Sandra Frank interpretiert, und mit Trommeln, Kontrabass und Gesang wird Regula Schlich Gerber zu hören sein.

Edith Schweizer-Völker

 

Walpurgisnacht, Ritual mit Feuer, Texten, Tanz und Trommeln. Offene Kirche Elisabethen, 30. April, 19.30-21.00 Uhr. Eintritt frei, Kollekte.

Ab 21.30 Uhr: "Von stinkenden Extrakten, bezaubernden Salben und Liebestränken». Szenische Lesung von Christoph Müller und Sibille Hüholt vom Theater Basel. Eintritt Fr. 13.30.