Basler Zeitung / 14.11.2001

 

Handauflegen, Ölsalbung und magische Drinks

 

Die «Nacht des Heilens» am kommenden Samstag, dem 17. November, verspricht Einblicke in das ganzheitliche und geistige Heilen. An diversen Orten finden von 15 bis 24 Uhr Behandlungen, Diskussionen und Führungen statt. Alle Veranstaltungen sind kostenlos. 

 

koc. Im Vorfeld der Basler Psi-Tage findet am Samstag, dem 17. November, die erste «Nacht des Heilens» statt. An die Idee der Museumsnacht anknüpfend, sind an diversen Orten in der Stadt spirituelle Anlässe zum Thema erlebbar. Das Kongresszentrum Basel als Hauptveranstalterin ist davon überzeugt, dass immer mehr Menschen in der Medizin mehr Geist und mehr Seele benötigen. Man bedauere allerdings, dass der Informationsstand zum geistigen Heilen relativ niedrig sei. Im Spannungsfeld zwischen Ablehnung und einer Berichterstattung, die oft überhöhte Hoffnung wecke, wünschen sie sich durch die Nachtaktion, dass Heilen erlebt, diskutiert und am eigenen Leib erfahren werden kann.
Nach der Eröffnungsfeier um 15 Uhr im Zentrum für Lehre und Forschung an der Hebelstrasse 20 diskutiert ein Podium um 16 Uhr, ob geistiges Heilen zur ganzheitlichen Medizin gehört. Dazu stellt Jakob Bösch, Chefarzt der Externen Psychiatrischen Dienste Baselland, vorgängig einige Thesen auf, wie zum Beispiel, dass geistiges Heilen auf Selbstverantwortung setze. Jahrelange Anstrengungen in der Gesundheitsprävention hätten das Verhalten der Menschen wenig beeinflusst, meint Bösch. Er ist der Ansicht, dass es Impulse von innen braucht, um Situationen zu verändern - rationale Aufklärung allein nutze wenig. In Folge diskutieren Cécile Cassini, Niklaus Gyr und Alexander Kiss vom Kantonsspital Basel mit Kaspar Rhyner vom Kantonsspital Glarus, der mit einer Heilerin zusammenarbeitet, und Harald Walach, Leiter eines europaweiten Forschungsprojekts, über geistiges Heilen.
Im Bernoullianum wird die «Heilkunst vom Dach der Welt» zelebriert. Tsenshab Rinpoche informiert von 18 bis 19.30 Uhr über die tibetische Heilkunst, erörtert die Bedeutung des Medizin-Buddhas und lehrt Besucherinnen und Besucher, das Mantra zu rezitieren.
Unter dem Titel «Menschen auf ihrem spirituellen Weg» sind im Bildungszentrum an der Missionsstrasse 21 drei Seminare zu hören. Es geht um die Heilung und Bewältigung spiritueller Krisen, die politische Dimension des Heilens in Südafrika und um den Seel-sorger und Heiler Johann Blumhardt.
Wenig Berührungsängste mit dem geistigen Heilen hat der reformierte Pfarrer Felix Felix, der in der Offenen Kirche Elisabethen am Samstag «heilende Hände» und Massagen für Babys anbietet. Spirituelles Heilen sei bereits von Jesus und seinen Jüngern praktiziert worden, meint Felix. Er bedauert, dass in den heutigen Kirchen nur noch das Wort übrig geblieben sei. Dabei würde die besondere Form von Zuwendung die Selbstheilungskräfte unterstützen und könne helfen, Krankheiten besser anzunehmen oder den Krankheitsprozess zu verkürzen. In der «City-Kirche» arbeitet Felix seit sechs Jahren mit spirituellen Heilerinnen und Heilern zusammen, die Hand auflegen. Auch die Salbung mit Öl, ähnlich der orthodoxen Tradition, geht auf die Bibel zurück, meint Felix. Um 22 Uhr wird im Münster ein Heilungs- und Salbungsgottesdienst mit Felix Felix, Armin Mettler und Fritz Christian Schneider stattfinden.
Zu den Themen Alchemie und Paracelsus findet im Pharmazie-Historischen Museum von 17 bis 21 Uhr jeweils zur vollen Stunde eine Führung statt. Nicht die Verwandlung des Körpers sei in der Alchemie wichtig, sondern jene der Seele, meint Lucius Werthmüller, Koordinator der Heilnacht. Im Museum werden ab 22 Uhr an der «Bar à celsus» übrigens auch geheimnisvolle und magische Drinks serviert.
Auch die Kunst möchten die Organisatoren einbeziehen: Anhand des Bildes «Der Engelsturz» von Marc Chagall wird im Kunstmuseum gezeigt, wie Heil und Heilung auch in der Katastrophe erlebt werden können.