Dass Felix Felix sich beruflich neu
orientieren will, war bekannt (vgl. BaZ vom 10. 4.). Wie nun gestern
bekannt wurde, wird er eine traditionell ausgerichtete Stelle als
Gemeindepfarrer in St. Gallen antreten.
Er geht nach St. Gallen, sie führt
die Arbeit in Basel weiter. Felix Felix und Eva Südbeck-Baur leiten
heute gemeinsam die Offene Kirche. Foto P.A.
Basel. «Ich werde gefordert sein und dazulernen
müssen», sagt Pfarrer Felix Felix zu seinem neuen Amt in St. Gallen. Dort wird
er künftig als Pfarrer der St.-Laurenzen-Kirche wirken, in Diskussion ist der 1.
Januar 2003 für den Stellenantritt. Es handle sich um die reformierte
Hauptkirche im hälftig reformierten und hälftig katholischen St. Gallen - eine
Art Münster-Pfarrer werde er dort sein, illustriert Felix Felix, wie man sich
seine künftige Arbeitsstelle vorzustellen hat: Taufen, Konfirmationen und
Beerdigungen werden seine Arbeitstage vermehrt bestimmen, es sei eine
«traditionelle Pfarrstelle mit viel Predigtdienst».
Nähe zu den
Menschen
Elemente aus seiner Arbeit in der Offenen Kirche Elisabethen
(OKE) wird er nicht in die Ostschweiz mitnehmen, wenngleich einzelne
stadtkirchliche Aufgaben auch künftig zu seinem Arbeitsfeld gehören werden. Für
solche Aufgaben sei dort in erster Linie die Offene Kirche St. Leonhard
zuständig, die ihrerseits viele Anregungen aus Basel bezogen habe. «Nur» seine
Suche nach Nähe zu den Menschen werde ein verbindendes Moment zwischen Basel und
St. Gallen sein. Der Pfarrer, der sich die Leitung der Offenen Kirche seit 1999
mit der katholischen Seelsorgerin Eva Südbeck-Baur teilt, begründet seinen
Wunsch nach einem Wechsel schlicht damit, dass er nach zehn Jahren in Basel eine
neue Herausforderung brauche und eine neue Mentalität kennen lernen
wolle. Zwar braucht es noch einen letzten formellen Schritt, damit Felix
Felix die neue Stelle tatsächlich antreten kann, nämlich die Volkswahl am 2.
Juni. Alle bisherigen Erfahrungen in St. Gallen stimmten ihn aber optimistisch,
dass er an dieser Hürde nicht straucheln werde: Die Probe-Predigt sei auf gute
Resonanz gestossen - und seine Nomination durch die Kirchenvorsteherschaft am
Montag habe spontan einen «warmen Applaus» gezeitigt. Die Offene Kirche ist also
gut beraten, sich schon jetzt auf den Wechsel vorzubereiten. «Veränderung war
immer ein Teil der Offenen Kirche», sagt dazu Eva Südbeck-Baur, man überprüfe
die eigenen Angebote regelmässig und nehme auch bewusst Neuerungen vor. Sie fügt
auch an, dass die Offene Kirche heute ein «gereiftes Projekt» ist, das nicht von
einzelnen Personen abhängig ist, auch wenn der angekündigte Abschied sie
natürlich zuerst einmal traurig gestimmt habe. Grundsätzlich aber sieht sie in
der «Ablösung von Felix Felix auch eine Chance, um mehr als Team wahrgenommen zu
werden». Denn die Kirche wird von einem Betriebsverein getragen, von ihr
mitgeleitet - und von rund 100 Freiwilligen lebendig
erhalten.
Kreative Beweglichkeit
Den Nachfolger oder die
Nachfolgerin von Felix Felix wünscht sie sich «kreativ und beweglich». Er oder
sie werde auch eigene Anliegen in die Offene Kirche einbringen können und
müssen. Gewisse charakteristische Elemente der OKE wird der Nachfolger oder die
Nachfolgerin sicherlich weiterführen müssen, Südbeck-Baur nennt hier etwa die
ökumenische Ausrichtung - die Offene Kirche wird von allen drei Landeskirchen
finanziell mitgetragen - oder den interreligiösen Dialog. Auch der bewusste
Einbezug der Frauen sei heute ein Grundpfeiler der OKE. Das laufende Jahr
wird in der Elisabethen-Kirche in den geplanten Bahnen weitergehen. Das
Abschiedsfest für Felix Felix muss allerdings noch aufgegleist werden. Denkbar
ist, dass Eva Südbeck-Baur, die heute mit einer 60-Prozent-Anstellung an der
Offenen Kirche arbeitet, ihr Pensum in einer Übergangsphase aufstockt. Felix
Felix zeigte sich in einer gestern veröffentlichten Medienmitteilung «dankbar»
gegenüber den Landeskirchen, der Stadt Basel und auch der Region, dass das
OKE-Projekt «so wohlwollend aufgenommen und über all die Jahre tatkräftig
unterstützt» wurde. Georg Schmidt