Erschienen am: 17.04.2002

St. Laurenzen als Herausforderung

Dass Felix Felix sich beruflich neu orientieren will, war bekannt (vgl. BaZ vom 10. 4.). Wie nun gestern bekannt wurde, wird er eine traditionell ausgerichtete Stelle als Gemeindepfarrer in St. Gallen antreten. 

Er geht nach St. Gallen, sie führt die Arbeit in Basel weiter. Felix Felix und Eva Südbeck-Baur leiten heute gemeinsam die Offene Kirche. Foto P.A.


Basel. «Ich werde gefordert sein und dazulernen müssen», sagt Pfarrer Felix Felix zu seinem neuen Amt in St. Gallen. Dort wird er künftig als Pfarrer der St.-Laurenzen-Kirche wirken, in Diskussion ist der 1. Januar 2003 für den Stellenantritt. Es handle sich um die reformierte Hauptkirche im hälftig reformierten und hälftig katholischen St. Gallen - eine Art Münster-Pfarrer werde er dort sein, illustriert Felix Felix, wie man sich seine künftige Arbeitsstelle vorzustellen hat: Taufen, Konfirmationen und Beerdigungen werden seine Arbeitstage vermehrt bestimmen, es sei eine «traditionelle Pfarrstelle mit viel Predigtdienst».

Nähe zu den Menschen

Elemente aus seiner Arbeit in der Offenen Kirche Elisabethen (OKE) wird er nicht in die Ostschweiz mitnehmen, wenngleich einzelne stadtkirchliche Aufgaben auch künftig zu seinem Arbeitsfeld gehören werden. Für solche Aufgaben sei dort in erster Linie die Offene Kirche St. Leonhard zuständig, die ihrerseits viele Anregungen aus Basel bezogen habe. «Nur» seine Suche nach Nähe zu den Menschen werde ein verbindendes Moment zwischen Basel und St. Gallen sein. Der Pfarrer, der sich die Leitung der Offenen Kirche seit 1999 mit der katholischen Seelsorgerin Eva Südbeck-Baur teilt, begründet seinen Wunsch nach einem Wechsel schlicht damit, dass er nach zehn Jahren in Basel eine neue Herausforderung brauche und eine neue Mentalität kennen lernen wolle.
Zwar braucht es noch einen letzten formellen Schritt, damit Felix Felix die neue Stelle tatsächlich antreten kann, nämlich die Volkswahl am 2. Juni. Alle bisherigen Erfahrungen in St. Gallen stimmten ihn aber optimistisch, dass er an dieser Hürde nicht straucheln werde: Die Probe-Predigt sei auf gute Resonanz gestossen - und seine Nomination durch die Kirchenvorsteherschaft am Montag habe spontan einen «warmen Applaus» gezeitigt. Die Offene Kirche ist also gut beraten, sich schon jetzt auf den Wechsel vorzubereiten.
«Veränderung war immer ein Teil der Offenen Kirche», sagt dazu Eva Südbeck-Baur, man überprüfe die eigenen Angebote regelmässig und nehme auch bewusst Neuerungen vor. Sie fügt auch an, dass die Offene Kirche heute ein «gereiftes Projekt» ist, das nicht von einzelnen Personen abhängig ist, auch wenn der angekündigte Abschied sie natürlich zuerst einmal traurig gestimmt habe. Grundsätzlich aber sieht sie in der «Ablösung von Felix Felix auch eine Chance, um mehr als Team wahrgenommen zu werden». Denn die Kirche wird von einem Betriebsverein getragen, von ihr mitgeleitet - und von rund 100 Freiwilligen lebendig erhalten.

Kreative Beweglichkeit

Den Nachfolger oder die Nachfolgerin von Felix Felix wünscht sie sich «kreativ und beweglich». Er oder sie werde auch eigene Anliegen in die Offene Kirche einbringen können und müssen. Gewisse charakteristische Elemente der OKE wird der Nachfolger oder die Nachfolgerin sicherlich weiterführen müssen, Südbeck-Baur nennt hier etwa die ökumenische Ausrichtung - die Offene Kirche wird von allen drei Landeskirchen finanziell mitgetragen - oder den interreligiösen Dialog. Auch der bewusste Einbezug der Frauen sei heute ein Grundpfeiler der OKE.
Das laufende Jahr wird in der Elisabethen-Kirche in den geplanten Bahnen weitergehen. Das Abschiedsfest für Felix Felix muss allerdings noch aufgegleist werden. Denkbar ist, dass Eva Südbeck-Baur, die heute mit einer 60-Prozent-Anstellung an der Offenen Kirche arbeitet, ihr Pensum in einer Übergangsphase aufstockt.
Felix Felix zeigte sich in einer gestern veröffentlichten Medienmitteilung «dankbar» gegenüber den Landeskirchen, der Stadt Basel und auch der Region, dass das OKE-Projekt «so wohlwollend aufgenommen und über all die Jahre tatkräftig unterstützt» wurde.
 Georg Schmidt




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