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Heilende
Hände und heilsame Berührungen beim Salbungsgottesdienst im Münster und in der
spirituellen Babymassage. Fotos Pino Covino |
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«Uns traf fast der
Schlag, als wir in die Kirche kamen und die riesige Menschenmenge sahen», sagt die
Heilerin Beatrice Anderegg. Über 200 Personen jeder Altersstufe waren anlässlich der
«Nacht des Heilens» am vergangenen Samstag in die Elisabethenkirche geströmt, um das
Handauflegen am eigenen Körper zu erfahren. «Ich habe wie wild herumtelefoniert und alle
unsere Heiler und Heilerinnen zusammengetrommelt», erzählt Pfarrer Felix Felix, Koleiter
der Offenen Kirche Elisabethen und Mitinitiant des traditionellen wöchentlichen
Handauflegens (jeweils am Donnerstagnachmittag) in der Elisabethenkirche. Sämtliche
Heiler und Heilerinnen, insgesamt zwölf Personen, die alle in der englischen
Heilertradition ausgebildet sind, sagten spontan zu und trafen schon kurze Zeit später in
der Elisabethenkirche ein, wo sie sich einen Stuhl packten und mit ihrer Arbeit gerade
dort begannen, wo ein Platz zu finden war: in den Kirchgängen, auf der Empore und sogar
auf der Kirchenkanzel, wo Paravents vor neugierigen Blicken schützten. Um den
Besucherstrom in der Elisabethenkirche organisieren zu können, wurden Nummern an die
Wartenden verteilt. «Mit diesem Angebot in unserer Kirche soll deutlich werden, dass der
christliche Glauben nicht etwas Abstraktes ist, sondern Lebenshilfe für den ganzen
Menschen bietet», erklärte Felix Felix und wies zugleich darauf hin, dass spirituelles
Heilen schon von Jesus und seinen Schülern und Schülerinnen praktiziert worden sei.
Heilen ohne Genesungsgarantie
Vor allem Menschen mit
Krebsbefund, Depressionen, Panikattacken und Schmerzen, aber auch Liebeskummergeplagte
suchten in der «Nacht des Heilens» Linderung bei den Heilern und Heilerinnen in der
Elisabethenkirche sowie im Zentrum des Basler Psi-Vereins, wo die Wirkung des
Handauflegens ebenfalls erfahren werden konnte. «Handauflegen ist kein Ersatz für eine
notwendige medizinische Behandlung», erklärte die Heilerin Beatrice Anderegg, «sondern
eine Ergänzung dazu». Deshalb komme es immer wieder vor, dass sie Menschen zu einem Arzt
schicke. «Und mittlerweile gibt es sogar Ärzte, die ihre Patienten zu uns schicken.»
Dies sei nur möglich, weil die Heiler und Heilerinnen seriös arbeiteten, übrigens auch
kostenlos, keine Diagnose stellten und auch sonst keine ärztlichen Handlungen
ausführten. Wozu also soll Handauflegen gut sein und was genau ist es? «Handauflegen ist
nichts anderes als eine Fürbitte für den Patienten verbunden mit einer Berührung»,
erklärt Anderegg. Jeder Mensch besitze die Kraft des Heilens, doch sei diese bei den
meisten nicht ausgebildet. Beatrice Anderegg hingegen kann die Heilkraft durch ihren
Körper fliessen spüren. Diese Kraft könne körperliche und seelische
Selbstheilungsprozesse unterstützen oder auslösen, erklärt Anderegg, allerdings ohne
Genesungsgarantie. «Wie, ob und wann die Heilung vonstatten geht, liegt nicht in meiner
Macht. Manchmal macht eine Krankheit auch Sinn, weil sie dem Menschen eine wichtige
Dimension des Lebens erschliesst. Doch das bestimmt allein Gott.» Dass der Patient an
Gott glaube, sei aber keine Voraussetzung für eine Heilung, wie Beatrice Anderegg aus
ihren jahrelangen Erfahrungen weiss.
Babymassage und Ölsalbung
Enorm war der Besucherstrom auch
an den anderen Veranstaltungen, die im Rahmen der «Nacht des Heilens» stattfanden. So
war der Hörsaal im Zentrum für Lehre und Forschung, wo eine Podiumsdiskussion zum Them
«Gehört geistiges Heilen zu einer ganzheitlichen Medizin» stattfand, bis auf den
letzten Platz besetzt. In den Räumlichkeiten der Mission 21 lauschten rund 150 Besucher
dem Erlebnisbericht des Pfarrers Sven Joachim Haack. Er erzählte von seinen Erfahrungen
in der deutschen Klinik Heiligenfeld, einer Klinik in der Menschen in spirituellen Krisen
medizinisch, geistig und psychologisch betreut werden. Seine Botschaft lautete:
Spirituelle Krisen existieren tatsächlich und sie lassen sich auch behandeln, wenn man
die Phänomene ernst nimmt und sie nicht pathologisch diskreditiert.
Grosses Gedränge herrschte auch
im Refektorium der Elisabethenkirche, wo die beiden Masseurinnnen und
Kinderkrankenschwestern Sabine Düsel und Claudia Fillinger die Techniken der spirituellen
Babymassage aus Nepal demonstrierten. Dazu hatten sich nicht nur junge Paare und ihre
Babys eingefunden, sondern auch ältere Damen, gestandene Grossmütter und Grossmütter in
spe, welche die Techniken zum Wohle ihrer Enkelkinder erlernen wollten. Ein lohnenswertes
Unterfangen, da die spirituelle Babymassage nicht nur dem Baby - hinsichtlich
Stoffwechsel, Immunsystem und Verdauung - zugute kommt, sondern auch der Betreuungsperson:
Nach der ausgedehnten Massagen fielen die meisten Babys sofort in einen friedlichen
Schlaf.
Den Abschluss der «Nacht des
Heilens» bildete der Salbungs- und Heilungsgottesdienst im Münster, der von den
meditativen Klangkompositionen von Marianne Elisabeth Ziegler und dem
Klangschalen-Ensemble der Flötenschmiede Basel begleitet wurde. Die drei Pfarrer Armin
Mettler, Felix Felix und Fritz Christian Schneider baten um Heilung für alle Menschen,
Tiere und Pflanzen und für unseren Planeten. Zur anschliessenden Salbung, als
persönliche Zuwendung zur Stärkung von Leib, Seele und Geist stellten sich auch die
Heiler an, bevor sie an diesem Abend zum letzen Mal den Hilfesuchenden die Hände
auflegten. Patrizia Derungs |