Basler Zeitung 19.11.2001

 

Heilsame Erfahrungen in der «Nacht des Heilens»

 

Rund 2000 Personen, aus Basel und von auswärts, nahmen an der erstmals durchgeführten «Nacht des Heilens» teil, um ganzheitliches und spirituelles Heilen am eigenen Körper zu erfahren und an Diskussionen zum Thema teilzunehmen. 

 

 

Heilende Hände und heilsame Berührungen beim Salbungsgottesdienst im Münster und in der spirituellen Babymassage.  Fotos Pino Covino

 

 

 

«Uns traf fast der Schlag, als wir in die Kirche kamen und die riesige Menschenmenge sahen», sagt die Heilerin Beatrice Anderegg. Über 200 Personen jeder Altersstufe waren anlässlich der «Nacht des Heilens» am vergangenen Samstag in die Elisabethenkirche geströmt, um das Handauflegen am eigenen Körper zu erfahren. «Ich habe wie wild herumtelefoniert und alle unsere Heiler und Heilerinnen zusammengetrommelt», erzählt Pfarrer Felix Felix, Koleiter der Offenen Kirche Elisabethen und Mitinitiant des traditionellen wöchentlichen Handauflegens (jeweils am Donnerstagnachmittag) in der Elisabethenkirche. Sämtliche Heiler und Heilerinnen, insgesamt zwölf Personen, die alle in der englischen Heilertradition ausgebildet sind, sagten spontan zu und trafen schon kurze Zeit später in der Elisabethenkirche ein, wo sie sich einen Stuhl packten und mit ihrer Arbeit gerade dort begannen, wo ein Platz zu finden war: in den Kirchgängen, auf der Empore und sogar auf der Kirchenkanzel, wo Paravents vor neugierigen Blicken schützten. Um den Besucherstrom in der Elisabethenkirche organisieren zu können, wurden Nummern an die Wartenden verteilt. «Mit diesem Angebot in unserer Kirche soll deutlich werden, dass der christliche Glauben nicht etwas Abstraktes ist, sondern Lebenshilfe für den ganzen Menschen bietet», erklärte Felix Felix und wies zugleich darauf hin, dass spirituelles Heilen schon von Jesus und seinen Schülern und Schülerinnen praktiziert worden sei.

Heilen ohne Genesungsgarantie

Vor allem Menschen mit Krebsbefund, Depressionen, Panikattacken und Schmerzen, aber auch Liebeskummergeplagte suchten in der «Nacht des Heilens» Linderung bei den Heilern und Heilerinnen in der Elisabethenkirche sowie im Zentrum des Basler Psi-Vereins, wo die Wirkung des Handauflegens ebenfalls erfahren werden konnte. «Handauflegen ist kein Ersatz für eine notwendige medizinische Behandlung», erklärte die Heilerin Beatrice Anderegg, «sondern eine Ergänzung dazu». Deshalb komme es immer wieder vor, dass sie Menschen zu einem Arzt schicke. «Und mittlerweile gibt es sogar Ärzte, die ihre Patienten zu uns schicken.» Dies sei nur möglich, weil die Heiler und Heilerinnen seriös arbeiteten, übrigens auch kostenlos, keine Diagnose stellten und auch sonst keine ärztlichen Handlungen ausführten. Wozu also soll Handauflegen gut sein und was genau ist es? «Handauflegen ist nichts anderes als eine Fürbitte für den Patienten verbunden mit einer Berührung», erklärt Anderegg. Jeder Mensch besitze die Kraft des Heilens, doch sei diese bei den meisten nicht ausgebildet. Beatrice Anderegg hingegen kann die Heilkraft durch ihren Körper fliessen spüren. Diese Kraft könne körperliche und seelische Selbstheilungsprozesse unterstützen oder auslösen, erklärt Anderegg, allerdings ohne Genesungsgarantie. «Wie, ob und wann die Heilung vonstatten geht, liegt nicht in meiner Macht. Manchmal macht eine Krankheit auch Sinn, weil sie dem Menschen eine wichtige Dimension des Lebens erschliesst. Doch das bestimmt allein Gott.» Dass der Patient an Gott glaube, sei aber keine Voraussetzung für eine Heilung, wie Beatrice Anderegg aus ihren jahrelangen Erfahrungen weiss.

Babymassage und Ölsalbung

Enorm war der Besucherstrom auch an den anderen Veranstaltungen, die im Rahmen der «Nacht des Heilens» stattfanden. So war der Hörsaal im Zentrum für Lehre und Forschung, wo eine Podiumsdiskussion zum Them «Gehört geistiges Heilen zu einer ganzheitlichen Medizin» stattfand, bis auf den letzten Platz besetzt. In den Räumlichkeiten der Mission 21 lauschten rund 150 Besucher dem Erlebnisbericht des Pfarrers Sven Joachim Haack. Er erzählte von seinen Erfahrungen in der deutschen Klinik Heiligenfeld, einer Klinik in der Menschen in spirituellen Krisen medizinisch, geistig und psychologisch betreut werden. Seine Botschaft lautete: Spirituelle Krisen existieren tatsächlich und sie lassen sich auch behandeln, wenn man die Phänomene ernst nimmt und sie nicht pathologisch diskreditiert.
Grosses Gedränge herrschte auch im Refektorium der Elisabethenkirche, wo die beiden Masseurinnnen und Kinderkrankenschwestern Sabine Düsel und Claudia Fillinger die Techniken der spirituellen Babymassage aus Nepal demonstrierten. Dazu hatten sich nicht nur junge Paare und ihre Babys eingefunden, sondern auch ältere Damen, gestandene Grossmütter und Grossmütter in spe, welche die Techniken zum Wohle ihrer Enkelkinder erlernen wollten. Ein lohnenswertes Unterfangen, da die spirituelle Babymassage nicht nur dem Baby - hinsichtlich Stoffwechsel, Immunsystem und Verdauung - zugute kommt, sondern auch der Betreuungsperson: Nach der ausgedehnten Massagen fielen die meisten Babys sofort in einen friedlichen Schlaf.
Den Abschluss der «Nacht des Heilens» bildete der Salbungs- und Heilungsgottesdienst im Münster, der von den meditativen Klangkompositionen von Marianne Elisabeth Ziegler und dem Klangschalen-Ensemble der Flötenschmiede Basel begleitet wurde. Die drei Pfarrer Armin Mettler, Felix Felix und Fritz Christian Schneider baten um Heilung für alle Menschen, Tiere und Pflanzen und für unseren Planeten. Zur anschliessenden Salbung, als persönliche Zuwendung zur Stärkung von Leib, Seele und Geist stellten sich auch die Heiler an, bevor sie an diesem Abend zum letzen Mal den Hilfesuchenden die Hände auflegten.  Patrizia Derungs