400 stellen sich gegen Rassismus in den Regen

Basler Zeitung 21.9.2000

400 stellten sich gegen Rassismus in den Regen

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Trotz des Regens versammelten sich rund 400 Personen auf dem Barfüsserplatz.Fotos Steph Berger

Jung und Alt demonstrierten gestern Zivilcourage gegen Rassismus. Politiker forderten konkrete Massnahmen gegen die Gewalt von rechts. 400 bis 500 nahmen an der friedlichen Kundgebung teil. Die geringe Zahl werteten die Organisatoren angesichts des Regens als Erfolg.

Basel. Gestern Mittwoch taten auf dem Barfüsserplatz 400 bis 500 Menschen ihren Widerstand gegen Rassismus und Rechtsextremismus kund. Mit ihrer Zivilcourage trotzten sie nicht nur dem Regen, sondern standen für eine vielfältige, tolerante Schweiz ein. Die Kundgebung wurde organisiert von Schülern. Dementsprechend waren die meisten der Teilnehmer jung. Aber auch zahlreiche Mitbürgerinnen und Mitbürger aller Altersklassen hatten den Weg in die Innenstadt gefunden. Die Kundgebung verlief ohne Zwischenfälle. Die Polizei hielt sich im Hintergrund.

Als Redner folgten sich Eva Südbeck-Baur, katholische Seelsorgerin der Offenen Kirche Elisabethen (die den Anlass patronierte), der Gymnasiast Roberto, Mitinitiant der Kundgebung, Grossratspräsident Markus Ritter und alt Nationalrätin Angeline Fankhauser. «Ich hoffe», sagte Roberto, «dass wir mit dieser Kundgebung ein Zeichen setzen können. Wir wollen andere dazu ermuntern, offen zu ihrer Meinung zu stehen.» Sein vehementer Aufruf zu mehr Zivilcourage entsprach durchwegs dem kämpferischen Tenor seiner Mitredner.

Gegen Menschenverachtung

«Als Präsident des Basler Stadtkantons», sagte Markus Ritter, «kann ich nicht schweigen... ... Ich bin gekommen, um die Sorge zu artikulieren, die eine täglich wachsende Zahl von Einwohnerinnen und Einwohnern beschäftigt.» Ein «Schwelbrand» habe in den Vororten begonnen und könnte bald die Stadt ergreifen. «Es ist schon reichlich genug geschehen. Mehr Deutlichkeit brauchen wir nicht», rief Ritter der Menge zu. «Bleibt auf Distanz zu menschenverachtenden Gruppen. Lasst eure Köpfe und Herzen nicht vergiften.» Ritter sprach von dem rasanten Umbruch von Wirtschaft und Gesellschaft und der Chance, die sich dadurch eigentlich ergäbe. «Aber jede Demokratie ist verletzlich», sagte der Politiker. «Sie gewährt Freiheitsrechte in der Annahme, dass diese nicht verletzt würden.» Er schloss mit einer Reihe Forderungen, unter anderem: «Antidemokratische, menschenverachtende Organisationen, die in Deutschland verboten sind, sollten auch in der Schweiz verboten sein.»

Diskriminierung ahnden

Auch Angeline Fankhauser, die engagierte Menschenrechtlerin, warf Forderungen in die Runde. «Wir brauchen eine neue Kultur der Grundrechte. Wir brauchen eine Vertiefung der universalen Menschenrechtskonvention.» Sie fragte: «Wohin sollen die Opfer von Gewalt und Extremismus noch flüchten, wenn sogar die Schweiz sich davon anstecken lässt? Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und die Achtung der universellen Grundrechte sollen doch unser Land auszeichnen. Wer dagegen agiert, schadet der Heimat!» Sie forderte konkret: «Die Regierungen sollen Meldestellen schaffen, wo Diskriminierungen jeder Art gemeldet und geahndet werden können.» Fankhauser betonte auch die Verantwortung der Senioren.

Oranger Ordnungsdienst

Die Organisatoren waren bemüht, die Kundgebung nicht als Parteienplattform zu gestalten. Von den gewählten Politikern liessen sich folglich nur wenige blicken. Von der Regierung wurde einzig Ralph Lewin im Publikum gesichtet. Er hätte zwar einen grösseren Aufmarsch erwartet, sagte Lewin zur BaZ. Aber er relativierte, dass angesichts des Regens die Teilnehmerzahl als Erfolg zu werten sei: «In Basel hat es ja auch keine konkreten Vorfälle gegeben.» Auf die Frage, wie die Regierung ein Gesuch rechtsextremer Kreise um eine Demonstrationsbewilligung behandeln würde, antwortete der Präsident: «Wir haben die Frage noch nicht thematisiert. Deshalb möchte ich keine vorbeugende Antwort geben.»
Die zweistündige Kundgebung wurde musikalisch umrahmt von verschiedenen Musikern, die bei den jungen Teilnehmern grosse Begeisterung hervorriefen. Das OK stellte einen «Ordnungsdienst» in orangen Mützen für den Fall von Provokationen. Die Humanistische Partei sammelte Unterschriften für das Ausländerstimmrecht. Sie habe bereits 4300 beisammen und wolle die Initiative nächste Woche einreichen, erklärte Nick Paris, der Präsident der Partei.

Matthias Wyssmann