Basler Zeitung 29.11.2001

 

Zu Gast im Forum Geistiges Heilen aus ganzheitlicher Sicht

 

Die Nacht des Heilens am Samstag, 17. November in Basel war für mich ein wunderschönes Erlebnis.

Schöne Nacht des Heilens

Zu dieser dunklen Jahreszeit und im Vorfeld der Psi-Tage, die sich dieses Jahr dem Thema «Geistiges Heilen» widmen werden, verwunderte es eigentlich nicht, dass die Elisabethenkirche bereits um 16.00 Uhr gut besetzt mit Leuten war, die Handauflegen wünschten und auch das Münster war abends gut besucht.
Ich war eine der Heilerinnen und Heiler und hatte im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun, durch Berührung und Zuwendung den vielen Leuten, die kamen, meine Aufmerksamkeit zu schenken. Es erschütterte mich immer wieder, wie schwer die Schicksale waren, mit denen ich konfrontiert wurde. Oft standen Leute mit der Diagnose Krebs vor der schwierigen Entscheidung, sollten sie nun mit Chemotherapie beginnen oder nicht.

Was passiert denn nun eigentlich beim Handauflegen?

Viele Leute waren auch das erste Mal bei einer Handauflegerin. Die Krankheit hatte sie dazu getrieben, viele verschiedene Dinge auszuprobieren, denen sie früher sicher kein Vertrauen geschenkt hätten.
Heilenergie, die übrigens nicht von der Person selber stammt, sondern aus einem grösseren Urgrund herrührt und die man vielleicht als göttliche oder kosmische Energie benennen könnte, fliesst durch die Heilerin durch und strömt über die Hände kanalisiert in den kranken Menschen hinein. Dieser spürt diesen Strom manchmal als Wärmestrahlen, magnetische Strahlen oder als deutliche Entspannung im Körper. Die Selbstheilungskräfte des kranken Menschen werden angeregt und gestärkt.
Was können die Leute erwarten, wenn ihnen von einer ausgebildeten, fähigen Heilerin Heilenergie zur Verfügung gestellt wird? Ich zitiere einige Sätze, die mir die Patientinnen und Patienten nach dem Handauflegen sagten: Vorhin war ich ganz schwer, jetzt fühle ich mich so leicht, als hätte ich Flügel. Ich fühle mich gar nicht mehr deprimiert. Seit zwei Monaten konnte ich endlich wieder lachen/weinen. Meine Schmerzen haben sich gebessert/sind momentan weg. Ich weiss jetzt ganz klar, was mein nächster Schritt im Leben sein soll.
Natürlich kommen manchmal auch Menschen mit hochgesteckten Erwartungen. Sie haben die Hoffnung, dass ich ihnen die Krankheit einfach «wegmache». Der Hausarzt konnte es nicht, der Spezialist konnte es auch nicht, also muss es doch auf der Welt irgendjemanden geben, der es kann. Allerdings spielen bei jeder Heilung, egal ob durch schulmedizinische Massnahmen oder durch Geistheilung persönliche Faktoren eine bedeutsame Rolle. Darauf will ich im Folgenden näher eingehen.

Krankheit aus meiner Sicht

Nach meinem Verständnis und meiner Erfahrung kommt der Mensch mit einer Grundpersönlichkeit auf die Welt. Diese Grundpersönlichkeit will er im Leben verwirklichen, und so seine Lebensabsicht erreichen. Er will sich mit anderen Lebewesen austauschen, Erkenntnisse machen und sich gegenüber seiner Umwelt zum Ausdruck bringen. Dies kann er jedoch nur, wenn er seine individuellen Anlagen, Fähigkeiten und Sehnsüchte ungehindert zum Ausdruck bringt und lebt. Dies kann zum Beispiel bedeuten: ich brauche Abenteuer in meinem Leben, ich brauche Abwechslung, ich möchte mich mit vielen verschiedenen Leuten austauschen, nicht nur mit meinem Partner oder den Leuten im Turnverein, ich möchte spontan sein können, ungeplante Dinge tun, spüren, dass ich ein freier Mensch bin.
Sein Umfeld ist da aber manchmal anderer Meinung und macht Druck, wenn dieses Ausleben gar zu unkonventionell erscheint. Auf diese Weise wird ein Mensch oft in Lebensbahnen gezwungen, die mit seiner angeborenen Persönlichkeit nicht übereinstimmen.
Wie wir wissen, geht jeder Mensch anders mit Druck um. Der eine passt sich z. B. an und leidet. Der andere schlägt vielleicht quer ohne Rücksicht auf Verluste, was sich mit der Zeit auch gegen ihn wendet. Ein Dritter wird vielleicht «hart und stark» und steht in Gefahr, daran zu zerbrechen.
Die besten Karten aus gesundheitlicher Sicht hat meiner Meinung nach derjenige, der seine Sehnsüchte noch nicht zugeschüttet hat, diese erkennt und sich erlaubt, diese zu leben. Natürlich wird er vermutlich auch ab und zu krank werden, versteht seine Krankheit aber als Wegkorrektur und hat auch die Möglichkeit, wieder gesund zu werden. Auf solche Weise kann man am meisten profitieren von der Schulmedizin oder der Geistheilung.
Ich persönlich bin sehr dankbar für die Schulmedizin. Sie kann mir mit einer Operation oder einem Medikament aus der Pharmaindustrie diese Wegkorrektur eventuell abkürzen oder erleichtern. Das Handauflegen als Patient kann eine körperliche Korrektur einleiten, mir den Weg liebevoller gestalten und mit Sanftheit und Wärme füllen. Aber die notwendige Lebenskorrektur muss ich alleine vornehmen, die kann mir niemand abnehmen.

Ganzheitlich Gesundwerden

Viele Menschen erkennen ihre persönlichen Sehnsüchte nicht mehr und wenn man sie danach fragt, fallen ihnen keine ein. Da ist es dann auch hilfreich, in einer Lebensberatung diese in einem persönlichen Gespräch zu entdecken und Wege zu finden, die gefundenen Wünsche und Sehnsüchte im Leben umzusetzen.
Wer sich dessen bewusst ist, hat die Möglichkeit, ganzheitlich gesund zu werden, auch wenn die Krankheit schon fortgeschritten ist und ich möchte alle ermuntern, dafür jede Hilfe in Anspruch zu nehmen, die er erreichen kann.
In diesem Sinne sind die Nacht des Heilens und die Psi-Tage sicher eine wunderbare Unterstützung, eine Unterstützung, die jedem Besucher auch hoffentlich dazu verhilft, sich seines ganz besonderen Wesens wieder vermehrt bewusst zu werden und niemandem zu erlauben, sich in seine Belange einzumischen.
* Bettina Baumann ist Lebensberaterin und Heilerin und praktiziert in Pratteln.