Maeder predigt

Anita Fetz predigt

Am Sonntag, 23. Februar 2003, predigte Anita Fetz um 10.30 Uhr in der Elisabethenkirche.

Predigtthema: Leben statt Profit - eine politische Predigt

Liebe Anwesende

Ich habe noch nie eine Predigt gehalten, das ist also eine Premiere. Ich freue mich darauf und noch mehr, dass ich vom Saxofonisten Harry White musikalisch unterstützt werde.

Ich habe das Thema "Leben statt Profit" gewählt, weil es mich sowohl als Berufsfrau als auch als Politikerin ganz enorm beschäftigt, wie tief das ökonomistische Denken in alle Lebensbereiche eingedrungen ist – und zwar nicht zu unserem Vorteil.

Dabei habe ich ein recht unverkrampftes Verhältnis zum Geld und zur Wirtschaft. Das hat sicher mit meiner Kindheit zu tun. Aufgewachsen bin ich nämlich in den 60er Jahren im Neubadquartier in einem Familien-KMU-Haushalt. Meine Eltern hatten ein Radio- und Fernseh-Geschäft. Mein Vater war zuständig für die Technik, meine Mutter für den Verkauf und das Büro. Wir lebten im gleichen Haus wie das Geschäft. Das hatte Vorteile: ich machte meine Hausaufgaben im Büro meiner Mutter und zwar schon früh mit einer Rechenmaschine und einer Schreibmaschine. Meine beiden Schwestern und ich haben auch schon früh eigenes Taschengeld verdient. Meine Lieblingsarbeit war im Büro das Stempeln von Couverts und in der Werkstatt das Einordnen von farbigen Elektroden in Kästchen.

Es hatte aber auch Nachteile: Wenn der Fernsehappart während eines spannenden Krimis kaputt ging, habe die Leute hemmungslos angerufen, auch nachts um 10 Uhr!

V.a. habe ich ein sehr direktes Verhältnis zum Thema Gewinn und Verlust bekommen. Gingen die Geschäfte gut, sind wir Ende des Monats im Restaurant essen gegangen, gingen sie schlecht, gab es Suppe und Klöpfer, was uns Kinder nicht gross gestört hat. Später gab es bei gutem Geschäftsgang lange und schöne Ferien mit Reisen ins Ausland und bei schlechter Geschäftslage Ferien zuhause im Garten. Noch später gab es vor lauter gutem Geschäftsgang soviel Arbeit, dass meine Eltern kaum mehr Freizeit, dafür mehr Gewinn hatten. Die Hochkonjunktur der 60er und 70er Jahre macht unsere Familie nicht reich, aber wohlhabend an Materiellem und arm an Freizeit. Damals habe ich einen ersten Schatten davon erfahren, wie Leben und Profit in Widerspruch geraten können. Der Preis: mein Vater hatte zwei Herzinfarkte, dafür konnten sich meine Eltern durch den Verkauf des Geschäfts schon vor 60 von der Arbeit freikaufen und wieder Zeit fürs Leben investieren.

Doch jetzt direkt ins Thema meiner Predigt "Leben statt Profit"

Einsteigen möchte ich mit einem Bibelzitat:

"Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüsst? Um welchen Preis könnte ein Mensch sein Leben zurückerhalten?" (Markus 8, 36-37)

 

1. Teil : Der ökonomische Zeitgeist oder Profit statt Leben

Heute berechnen wir den Preis für fast alles im Leben in Franken und Rappen, in Euro oder Dollar.

Mich beschäftigen dabei folgende Fragen:

Was ist ein Menschenleben wert, mehr oder weniger als ein Barell Oel? Wieviel kosten ein Kinderleben? Für die Schweiz haben es unsere gründlichen Statistiker natürlich schon ausgerechnet: Bis ein Kind erwachsen und ausgebildet ist, kostet das die Eltern ca. 800'000 Franken im Durchschnitt.

40'000 Kinder sterben jeden Tag an Hunger und Gewalt. Damit spart die Welt 32'000'000'000 Franken, würde der nüchterne Statistiker sagen. Damit verlieren wir genauso viel an Steuereinnahmen würde der kühl rechnende Politiker sagen und die Wirtschaft einen Arbeitnehmer, der Mehrwert produziert.

Als eidgenössische Politikerin werde ich dauernd mit Zahlen überhäuft, als sog. Entscheidungsgrundlage. Sie sind hochinteressant, werfen aber auch viele Fragen auf...

Was kostet eine Minute Krankenpflege im Spital, im Heim oder bei der Spitex.? Immer mehr Pflegerinnen müssen ihre Tätigkeiten im Minutentakt erfassen, damit die Kassen die Kosten kontrollieren können und wir genau sagen können, welcher Leistungsträger, welche Kosten übernehmen muss. Macht das wirklich Sinn?

Warum verdient ein Manager 10’000x mehr als eine Verkäufern? Arbeitet er soviel mehr und besser? Eine Viertel Million Menschen leben in der Schweiz in Armut unter dem Existenzminimum, obwohl sie erwerbstätig sind.

Haben Sie gewusst, dass in der Schweiz ein durchschnittlicher Lohn Fr. 5'000.- pro Monat beträgt? Fast ein Drittel geht in städtischen Gebieten in die Bezahlung der Wohnung. Mehr als für Steuern, bezahlt man in dieser Lohnkategorie für die Kopfprämien der Krankenkassen. Wo bleibt da die in der Verfassung festgeschriebene ‚wirtschaftliche Belastbarkeit’ für den einzelnen Bürger, die Bürgerin?

Wieviel Kultur dürfen wir uns noch leisten angesichts des Milliardendefizits in der Bundeskasse und den ebenso tiefroten Zahlen in den Kantonskassen?

Braucht man Kultur zum leben?

Die Ausgaben für den Asylbereich betragen beim Bund jährlich eine Milliarde. Das ist viel, zuviel? Wieviel darf eine Flüchtlingshilfe kosten, die das Attribut human noch verdient?

Heute werden wir immer älter, das ist eine Errungenschaft unserer Zivilisation. Auf der anderen Seite müssen immer weniger Junge mit ihren Beiträgen immer mehr AHV-Rentner finanzieren. Heute investieren wir 70% der Sozialausgaben ins Alter. Für Investitionen in die Jungen und in die Zukunft unseres Landes wie Bildung, Forschungsförderung und Massnahmen gegen die Jugendarbeitslosigkeit fehlen uns die Gelder. Hat so der Generationenvertrag, auf den wir mit Recht stolz sind, noch eine Zukunft?

Wo bleibt das Menschliche angesichts dieser eingeengten Sicht auf das Ökonomische, auf die Rentabilität alles Lebendigen. Man kann Zwischenmenschliches wie Zuwendung, Sorge und Solidarität oder anders gesagt, Nächstenliebe weder kaufen noch bilanzieren. Wie schaffen wir es, dass in Wirtschaft und Gesellschaft wieder der Mensch und seine Lebensgrundlagen im Zentrum stehen?

Doch im Moment gibt es ein zentrales Problem, das alle anderen überlagert und die Menschen auf der ganzen Welt ängstigt: der drohende Irak-Krieg!

 

2. Teil: Abschied von der Politik oder Profit ohne Leben

Was hat der Irak-Konflikt mit meinem Thema "Leben statt Profit" zu tun?

Kurz und etwas provokativ gesagt:

Es geht um die Macht des Stärkeren! Und um den Abschied von der Politik . Politik im Sinn von Aristoteles, der schrieb:

"Der Mensch handelt politisch, um zu leben und um gut zu leben."

Die Mehrheit der Menschen wehrt sich gegen einen drohenden Krieg, nicht weil sie gegen die Amerikaner sind oder etwa für den Diktator Hussein, der sein Volk unterdrückt. Sie sind gegen diesen Krieg, weil sie in einem Angriffskrieg der USA gegen den Irak keinen gerechtfertigten Grund und schon gar keine Problemlösung erkennen können. Wir Gegner eines Präventivkrieges sind sicher, dass ein Angriff auf den Irak den Terrorismus nicht besiegen kann, im Gegenteil. Wie sagte doch der Prophet Jesaja so treffend: "Frieden ist die Frucht von Gerechtigkeit und nicht umgekehrt."

Bin Laden hat seine Gelder nicht, oder nicht nur in den Banken Bagdads und es gibt viele Länder, die chemische und atomare Waffen haben, die sie den Terroristen liefern können. Und wir finden, dass man mit gleichen Ellen messen muss, wenn schon. Es gibt mehrere UNO-Resolutionen, beispielsweise zum Nahostkonflikt, die von Israel seit Jahrzehnten nicht erfüllt werden. Hinzu kommt, dass fast alle Industriestaaten an der Aufrüstung des Irak gegen den Iran Khomeny’s, beteiligt waren: die USA ebenso wie viele europäische Staaten, auch Schweizer Technologie hat mitgeholfen.

Deshalb gilt : "Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein" oder etwas modernen, schiesse die ersten Raketen!

Es gehört zu den zivilisatorischen Errungenschaften der Menschheit nach den beiden Weltkriegen, dass es ein Völkerrecht und eine UNO gibt, als kollektives Sicherheitssystem für die Völkergemeinschaft. Und diese sehen nur einen notwendigen Grund für einen Krieg vor: die Bedrohung des Weltfriedens und die gewaltsame Liquidation von Menschrechten.

In der gegenwärtigen Auseinandersetzung zwischen den USA und Teilen Europas über die Strategie zur Ausschaltung des gefährlichen Hussein, kommt auch ein tiefer Graben in der kulturellen Identität beim Verständnis von Staat und Demokratie zum Ausdruck.

Gret Haller hat es in ihrem gescheiten und differenzierten Buch "Die Grenzen der Solidarität" auf den Punkt gebracht. Die alten Demokratien Europas gründen ihr Politikverständnis auf "die Stärke des Rechts". Die USA gründen ihr Politikverständnis auf die Moral und innerhalb dieser auf "das Recht des Stärkeren". Haller war von 1996 bis 2000 Menschenrechtsbeautrage der OSZE in Bosnien und Herzegowina und hat dort hautnah die unterschiedlichen Rechtsauffassungen der USA und Europas miterlebt.

Und da ist der direkte Bezug zu meinem Thema "Leben statt Profit".

Wenn sich das Politikverständnis derart radikal verabschiedet von der gestaltenden Kraft eines friedlichen Zusammenlebens der Menschen, dann ist etwas ganz Entscheidendes falsch gelaufen in den letzten Jahren.

 

Blenden wir kurz zurück in historische Jahr 1989

"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben." Mit diesen historischen Worten leitete Gorbatschow: den Fall der Berliner Mauer und damit das definitive Ende des kalten Krieges ein. Die Freude aller war gross: Endlich schien sie greifbar nahe, die Welt ohne atomare Gefahren, ohne Krieg und mit einer gerechten Entwicklung.

Wenn jemand damals vorausgesagt hätte, was wir heute wissen, er wäre für verrückt erklärt worden.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1989 begann der Siegeszug der neoliberalen Ideologie, die sämtliche Regeln dem Markt überlassen will.

Die Globalisierung verteilt Kapital und Arbeit, Wissen und Technologie, Werte und Ideen, Handel und Unternehmen, Armut und Reichtum neu über den Erdball. Sie beschleunigt den wirtschaftlichen, technologischen und kulturellen Austausch rasant.

Wer profitiert heute von der Globalisierung? Die UNO hat gerechnet: Betrug das Verhältnis zwischen dem Vermögen des reichsten und des ärmsten Fünftels der Weltbevölkerung 1990 noch 60:1, vergrösserte sich dieses Ungleichgewicht 2000 auf 75:1. Die multinationalen Grosskonzerne und das Finanzkapital haben sich aus den Fesseln der Nationalstaaten gelöst und sich damit der politischen Einflussnahme entzogen.

Auch die Schweiz ist kein globaler Sonderfall mehr. Unser Land durchlebte in den 90er Jahren eine Wirtschaftskrise, mit noch nie gekannter Arbeitslosigkeit. 300'000 Arbeitsplätze wurden abgebaut. Nach einer kurzen konjunkturellen Erholung sind heute bereits wieder 130'000 Menschen arbeitslos. Der Druck auf die arbeitenden Menschen hat enorm zugenommen: Leistungsanspruch, Flexibilität, Tempo und Stress dominieren unseren Alltag.

Das goldene Zeitalter der Finanzwirtschaft brach trotzdem an. Honoriert von der Börse wurden Managementstrategien wie: Fusionieren, Kostensenken, Massenentlassungen, Eigenkapitalrendite von üblichen 5-10 % mussten auf 20 % hochgepusht werden – darauf reagierten die Finanzanalysten positiv. Bereits die Ankündigung von Massenentlassungen beflügelte die Börsenphantasie in den 90er Jahren

Die Schattenseiten: Massenarbeitslosigkeit und Armut, und das in unserer Leistungskultur, wo der einzige Schlüssel zu gesellschaftlicher Integration, persönlicher Identität und sozialer Anerkennung die Berufsarbeit ist.

1997 überstieg zum ersten Mal das Einkommen aus Börsengewinnen mit 280 Mrd Fr. jenes aus den Erwerbseinkommen mit 250 Mrd. Wer noch arbeitet und Steuern zahlt, ist eigentlich dumm ist die Aussage, die hinter diesen Zahlen steht. Oder eben Profit statt Leben.

Die neoliberale Wirtschaftspolitik hat in vielen Teilen der Welt die Strategie durchgesetzt "Gewinne privatisieren, soziale Kosten sozialisieren", verbunden mit gigantischen Kosten für die öffentlichen Haushalte.

Ins gleiche Kapitel gehört die heute verbreitete Abgeltung von horrenden Mangergehältern mit Optionen. Diese auf die Spitze getriebene Shareholder-value Strategie führt dazu, dass Managemententscheide nur noch kurzfristig mit Blick auf die Börse gefällt werden. Von langfristiger Strategie keine Spur. Wieviel Abzockerei und kriminelle Bilanztricks dabei waren, wissen wir erst heute. Das Prinzip Profit statt Leben hat sich hemmungslos durchgesetzt

Doch bald platzten viele Illusionen: die Illusionen über das asiatische Wirtschaftswunder mit seiner hochflexiblen Produktionsweise , über die ‚new economy‘, die angeblich die Theorie der Krisenzyklen widerlegt hatte; über die multinationalen Unternehmen, die angeblich Investitionen, Technologie und Wohlstand in die entlegensten Regionen der Welt bringen würden.

Die Asien- und Russland-Krise von 1998 vernichtete 350 Milliarden Dollar, der weltweite Börseneinbuch letztes Jahr nochmals soviel.

Die UNO bräuchte 40 Milliarden, um Nahrung und sauberes Wasser zur Krankheitsbekämpfung für alle Menschen zu ermöglichen.

So billig kann das Leben und so teuer der Profit sein!

Heute kann man in Anlehnung an Georg Büchners Revolutionstheaterstück "Dantons Tod" sagen: Der Kapitalismus frisst seine Kinder!

Die Folge: Viele Menschen wenden sich ab und reagieren mit grossem Unbehagen auf die ‚Diktatur des freien Weltmarktes‘: Die Mobilisierung gegen die WTO und G8-Treffen oder gegen das WEF in Davos sind Symptome dafür.

Der Protest der Verlierer trifft auf Regierungen und Politiker, deren Gestaltungsmacht kontinuierlich schrumpf. Egal, ob soziale Gerechtigkeit hergestellt oder die Umwelt geschützt werden muss, ob internationale Kriminalität bekämpft werden soll: stets ist der einzelne Nationalstaat überfordert und ebenso regelmässig scheitern internationale Abkommen zur Steuerharmonisierung, zur Regulierung der Kapitalströme, zur Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit am gegenseitigen Standortwettbewerb.

Wenn aber Regierungen in allen existentiellen Zukunftsfragen auf die übermächtigen Sachzwänge der Ökonomie verweisen, wird Politik zu einem Schauspiel der Ohnmacht und der demokratische Staat verliert seine Legitimation.

Wenn neoliberale Kreise im konservativen Schaftspelz ständig die politischen Institutionen schlecht machen, dauernd mehr Freiheit und weniger Staat predigen und die Schweiz gebetsmühlenartig als Steuerhölle disqualifizieren, dann produzieren sie damit (bewusst) ein tiefes Misstrauen gegen den Staat als Garant unseres demokratischen Rechtssystems. Willi Ritschard hat diesen bewussten Abschied von der Politik treffend auf den Punkte gebracht: "Einen schwachen Staat können sich nur Reiche leisten". In einem Nachtwächterstaat herrscht immer das Recht des Stärkeren und das Prinzip von Profit statt Leben.

Anders als in der betriebswirtschaftlichen Logik der Konzernstrategen gibt es in demokratischen Gesellschaften keine ‚freisetzbaren Bürger‘.

Die Gefahr, dass die Ausgegrenzten und verunsicherte Mittelstandsbürger ihr Heil in Fremdenhass., Separatismus, Fundamentalismus jeder couleur und Abschottung vom Weltmarkt sehen, ist gross.

Der alte europäische Gesellschaftsvertrag ‚Arbeit gegen soziale Sicherheit’ als Basis für die alten Demokratien steht zur Debatte. Er muss genauso erneuert werden wie der Generationenvertrag.

Der Mensch ist nicht nur ein homo oeconomicus, sondern ein soziales Wesen, er will neben Sicherheit auch Zuwendung und Eingebunden sein, eben Leben statt Profit.

 

3. Teil: Renaissance der Politik und der nachhaltigen Marktwirtschaft oder gutes Leben für alle Menschen

Was braucht es, damit in der Wirtschaft wieder der Mensch und seine Lebensgrundlagen im Mittelpunkt stehen?

Es geht nicht mehr an, alle sozialen Probleme der Politik zu überweisen und ihr gleichzeitig immer mehr Mittel zu entziehen:

Marktwirtschaft und soziale Verantwortung müssen wieder zueinander kommen. Der Wettbewerb um Profit um jeden Preis ist tödlich für alle Beteiligten!

Unternehmensführer können sich nicht länger von den gesellschaftlichen Auswirkungen ihres Tuns dispensieren unter dem Vorwand des Globalisierungsdrucks. Sie sind verantwortlich für die gesellschaftlichen Folgen ihres Tuns. Wann endlich kommt der internationale Aufruf der global tätigen CEO’s dieser Welt gegen einen Krieg? Wenn nicht aus humanitären, dann wenigstens aus ökonomischen Gründen. Ein langer Irak-Krieg würde eine Weltwirtschaftskrise auslösen!Weil Gerechtigkeit nicht an den Staatsgrenzen halt machen darf, brauchen wir eine

Internationale Charta für einen fairen, verantwortungsvollen Wettbewerb:

Neben Wettbewerb und Marktorientierung geht es immer noch um die Erfüllung des Anspruchs, dass Menschen Erwerbsarbeit brauchen. Dazu braucht es auch in der Wirtschaft Wertestandards, die über das reine Profitdenken hinaus gehen:

Für mich und viele anderen sind das die Grundvoraussetzungen von Wirtschaften, wo der Mensch im Mittelpunkt steht. Eben Leben statt Profit.

Es ist höchste Zeit, den Kapitalismus zu humanisieren, sonst frisst er weiterhin seine Kinder.

 

Schluss: Das Prinzip Hoffnung – lebendig und konkret!

Zeiten der internationalen Krisen und der gesellschaftlichen Orientierungslosigkeit, sind in der menschlichen Geschichte immer gekoppelt mit dem Nachdenken über die Werte und die Zukunft einer Gesellschaft. Ganz nach der alten Lebensweisheit: Die Krise als Chance!

Mal ehrlich: Haben wir nicht alle ein bisschen resigniert vor dem ökonomischen Zeitgeist und dem Rendite-Mainstream? Machen wir es uns nicht zu einfach, wenn wir nur die Abzocker Manager anprangern und die Nase rümpfen über die gestaltungsschlaffen Politiker? Nach dem Motto: ich bin zwar nicht für diese schleichende Entsolidarisierung, aber jetzt schau ich halt auch einfach für mich. Schliesslich reden alle von der ICH-AG.

Nein, das darf nicht sein. Ich glaube an die Aussage von Victor Hugo: "Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist."

Wenn die Irak-Krise einen Sinn hat, dann den, dass die Menschen wieder begreifen, dass sie das Heft auch selbst in die Hand nehmen können und müssen! Kriege, globale Ungerechtigkeit und Arbeitslosigkeit sind keine Naturkatastrophen, sondern von Menschen gemacht. Frieden, Gerechtigkeit und eine anderen Welt sind möglich!

Das haben die 10 Millionen Menschen gezeigt, die letztes Wochenende für den Frieden auf die Strasse sind – auch in Amerika. Hunderttausende engagieren sich mit vielfältigen Aktionen gegen den drohenden Krieg. Hunderte gehen nach Bagdad um der zivilen Bevölkerung zu helfen, falls nötig als Schutzschild.

Hier meldet sich endlich die zivile Bürgergesellschaft zurück. Diesmal global. Diese lebendige Zivilgesellschaft will Leben statt Profit. Sie fordert von der Politik und der Wirtschaft einen aktiven Beitrag, damit die globale Gesellschaft liberal und gerecht, leistungsbewusst und solidarisch, eigenverantwortlich und sozial wird.

Platon sagte treffend:

"Der Mensch soll erst beten, wenn er zuerst alles getan hat, was in seinen eigenen Kräften steht." Ich glaube beten hilft vielen Menschen, diese Kräfte zu mobilisieren, damit sie sich aktiv und konkrete Handelnd für Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität einsetzen können.

Doch soweit müssen wir eigentlich gar nicht in die Geschichte zurück gehen. Es würde reichen, wenn wir folgenden Text wieder einmal lesen und beherzigen würden:

Im Namen Gottes des Allmächtigen!

Das Schweizervolk und die Kantone,

in der Verantwortung gegenüber der Schöpfung,

im Bestreben, den Bund zu erneuern, um Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken,

im Willen, in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Einheit zu leben,

im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegenüber künftigen Generationen,

gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen, gegen sich folgende Verfassung:

Das ist die Präambel der Schweizerischen Bundesverfassung, die wir im Jahr 1999 in einer Volksabstimmung angenommen haben.

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Ausser, dass wir dafür eine Renaissance des Politischen brauchen, eine lebendige Politik, die unser Zusammenleben aktiv nach dem Prinzip Leben statt Profit gestaltet, damit alle Menschen gewinnen.

Amen