Gedenkstunde

Gedenkstunde für alle verstorbenen Kinder

10. Dezember 2006

Liturgie:

 

Christa Paeckelmann, Susanna und Norbert Gisler, Barbara Farner und die Theologinnen Monika Hungerbühler und Eva Südbeck-Baur

 

Musik: Cornelia Lenzin

 

 

Man sagt mir                                               

 

Man sagt mir,

ich solle es nicht so schwer nehmen.

Man sagt mir,

das Leben ginge weiter.

Man sagt mir,

jeder müsse lernen, Verluste zu überwinden.

Man sagt mir,

jede Prüfung des Lebens brächte einen weiter.

Man sagt mir,

die zeit lässt Schmerzen vergehen.

Aber

Hier und jetzt bin ich allein!

Lasst mich nicht alleine in diesen Abgrund stürzen

Tina Krug                                      

 

 

 

1. Teil: Kinder präsent werden lassen

            Namensnennung                                                                 

 

 

Es weht der Wind

 

Es weht der Wind ein Blatt vom Baum

Von vielen Blättern eines.

Das eine Blatt, man merkt es kaum,

denn eines ist ja keines.

Doch dieses eine Blatt allein

War ein Teil von unserm Leben,

drum wird dies eine Blatt allein

uns immer, immer fehlen.           

Hermann Hesse

 

 

2. Teil: Im Land der Trauer

 

 

Dies ist die Stunde von Blei

 

Ich warte darauf, dass das Pendel von der dumpfen

Erstarrung wieder hinüberschwingt zur vollen Erkenntnis;

Ich fürchte diesen Schlag, aber dieses Gefrorensein ist

Schlimmer, denn ich taste nach der bewussten Erkenntnis

Und kann sie nicht erfassen. Ich erspüre nur einen dumpfen Schmerz.

 

 

Gebet

 

Gott,  wo bleibt Dein Licht,

bist Du auch im Dunkeln da?

Gott, bist Du da, jetzt?

hast Du das alles so bestimmt?

Was daran soll da gerecht sein?

Weinst Du mit mir um mein Kind?

So verletzlich, so zart ist das Leben,

So verletzlich, so zart war mein Kind,

so wund gerieben bin ich.

Es fällt mir schwer, zu glauben, dass mein Elend  bei Dir aufgezeichnet ist.

Es fällt mir schwer, darauf zu vertrauen, dass du nah bist.

Und doch will ich nicht einsam sein mit meinem Leid.

Ich möchte aufgehoben sein auch bei Dir.

Wenn ich mein Kind nicht in den Armen halten kann,

so will ich es doch in deinen Armen liebvoll gehalten wissen. Sammle meine Tränen in einem Krug, wiege mein Kind zärtlich, unendlich liebevoll.

Amen

 

               

Manchmal verlässt uns ein Kind

 

Manchmal verlässt uns ein Kind,

das den Ruf von drüben lauter vernommen hat als die Stimme ins Leben.

Es schliesst die Augen und taumelt davon

Wie ein Schmetterling, taumelt zurück ins Licht

Und lässt uns allein mit den Fragen,

ohne Antwort über den Sinn all des Begonnenen,

das uns unvollendet erscheint.

Lässt uns zurpck mit einer Hoffnung,

die sich nicht erfüllte,

einer Knospe, die welkte,

ohne zu blühen.

Lässt uns zurück und lehrt uns,

dass die Antwort auf unsere Fragen

manchmal nur heissen kann: Ja

R.Rau

 

 

3. Teil: Erinnerung und Trost

                                                                                   

Anfangs dachte ich

 

Anfangs dachte ich, dass Dein Tod

Verlust war und Zerstörungen,

kaum zu ertragender Kummer und Schmerz.

Erst jetzt beginne ich zu erkennen,

dass dein Leben ein Geschenk war;

und eine wachsende Liebe bleibt in mir.

Die Verzweiflung angesichts des Todes

Hat die Existenz der Liebe vernichtet.

Aber die Tatsache des Todes

Kann nicht alles vernichten,

was ich von Dir bekommen habe.

Ich lerne wieder an Dein Leben zu denken

Anstatt an Deinen Tod

Und daran, dass Du von uns gegangen bist.

 

 

Sie sind gegangen

 

Wir können darüber weinen,

dass sie gegangen sind

und wir können lächeln,

weil sie gelebt haben.

 

Wir können unsere Augen schliessen und

Beten, dass sie wiederkommen,

und wir können sie öffnen und sehen,

was sie zurückgelassen haben.

 

Unser Herz kann leer sein,

weil wir sie nicht sehen können,

oder es kann voll der Liebe sein,

die sie für andere hatten.

 

Wir können immer daran denken,

dass sie gegangen sind

und wir können sie im Herzen tragen

und in uns weiterleben lassen.

 

Wir können weinen und ganz leer sein,

und wir können tun, was sie von uns wollten:

dass wir lächeln, unsere Augen öffnen,

Liebe geben und weitergehen.

 

 

 

4. Teil:   Wieder das Leben leben

 

Es gibt noch Schmetterlinge

 

Es gibt sie noch

Es gibt noch Schmetterlinge

 

An einem späten Herbsttag

Warm und sonnig noch

Da sah ich sie

Auf einer alten Friedhofsmauer

In einem stillen, kleinen Dorf.

 

Die Auer war ganz überwachsen

Mit dichtem Laub- und da:

Wie bunte Edelsteine hingestreut

Auf dunkelgrünem Samt –

Da sah sich sie, sah wieder Schmetterlinge,

die ich so lange schon

aus unsrer Zeit verschwunden glaubte.

Gitta Deutsch

 

 

 

Segen

 

Ich wünsche Dir Mut.

Vielleicht wirst du sagen:

Gesundheit ist das höchste Gut.

Ich aber wünsche dir Mut,

zu ertragen auch das, was dir wehe tut.

 

Ich wünsche Dir Mut,

dich vom Stuhl zu erheben,

nur ein Stückchen zu erheben, nicht viel.

Du wirst sehn:

Nimmst du Anteil am Leben,

bist du wieder dabei.

Ich wünsche dir Mut,

zum beginn einer Reise in die Welt,

oder auch in dich selber hinein,

damit  du auf deine Weise

dich einmal ganz gross fühlst, statt klein.

 

Ich wünsche Dir Mut,

so zu sein, wie du bist und dich magst

und immer nur so zu denken, wie du es sagst,

Mut, um dein Schicksal selbst zu lenken.

 

Ich wünsche Dir Mut,

für den Tag, für die Stunde,

für all dein Beginnen.

Ich wünsche Dir Mut

Für jede Sekunde,

in der du dich mühst

ihn neu zu gewinnen.

Amen

 

 

5. Teil:  Sich Stärken

 

Bedenke

 

Bedenke:

Ein Stück des Weges

Liegt hinter dir,

ein anderes Stück

hast du noch vor dir.

Wenn du verweilst,

dann nur, um dich zu stärken,

nicht aber um aufzugeben.

Aurelius Augustinus